Verfasst von: Stefan | April 18, 2010

Eyjafjallajokull

Man stelle sich folgende Situation vor:

Ich befinde mich in Samara, einem beschaulichen Stranddorf mit einem alles andere als beschaulichem Panorama am Strand. Die Sonne scheint den ganzen Tag. In der Haengematte liegend beobachte ich ein Eichhoernchen, welches gerade seine erbeutete Nuss isst und dabei die Schale auf mich runterrieseln laesst. Das Meer ist heute ungewohnt kalt und damit eine tolle Abfrischung gegen das heisse Wetter. Mittags esse ich dann ein tolles Fischcasado und hoere danach Jamie zu, wie er auf seiner Gitarre ein paar Songs spielt.

Eigentlich stellt man sich so einen perfekten Sonntag vor, doch mir geht es den ganzen Tag total beschissen.

Grund dafuer ist ein Vulkan namens Eyjafjallojakull, der meint, das erste Mal seit 200 Jahren auf sich aufmerksam zu machen und den ganzen Flugverkehr in Europa lahmzulegen und dafuer gesorgt hat, dass Mimi nicht wie geplant am Samstag oder nun nach einer Umbuchung morgen (Montag) nach Costa Rica fliegen kann. Wie es weiter geht, weiss momentan noch niemand, und das geht ziemlich an die Nerven. Die Enttaeuschung darueber ist vielleicht vergleichbar mit einem kleinen Jungen, der sich zu Weihnachten so sehr sein rotes BMX-Rad gewuenscht hat und stattdessen nur den kratzigen Wollpulli bekommen hat. Nur irgendwie ist das hier noch 10x schlimmer.

Aus dem eigentlich Plan, ab Dienstag dann Samara zu verlassen und gemeinsam durchs Land zu reisen, wird also nichts. Nachdem ich dann in der Nacht ueberlegt habe, was ich nun tun werde, habe ich mich dazu entschlossen, eine Woche in der Schule dranzuhaengen. Dafuer habe ich zwar noch keine Bestaetigung, weil die Rezeption heute nicht geoeffnet hatte, ich denke aber nicht, dass das kein Problem ist. Vor Donnerstag wird Mimi, wenn ueberhaupt, sowieso nicht in CR sein, so dass ich die Zeit nochmal nutzen kann, mein Spanisch noch ein bisschen zu verbessern. Die Alternative, schon alleine loszuziehen, stellte sich fuer mich eigentlich nicht, weil ich momentan null Bock darauf habe, die Orte, die ich gemeinsam mit Mimi sehen wollte, alleine zu bereisen, geniessen koennte ich es sowieso nicht. So habe ich wenigstens noch an der Schule einige nette Leute, und so schlimm ist es in Samara ja, im Prinzip, auch nicht.

Eigentlich war am Freitag mein letzter Schultag,  der dann mit einer Graduation samt Abschlussrede beendet wurde. Fuer meine Beteiligung am Unterricht habe ich sogar noch eine Auszeichnung in Form eines Lesezeichens erhalten. Am Samstag war ich dann noch auf einem Ausflug mit der Schule in den Nationalpark Palo Verde, in dem wir eine Bootstour gemacht haben und dabei ganz viele verschiedene Voegel und darueberhinaus auch Leguane und sogar einige Krokodile gesehen haben. Das war schon ziemlich beeindruckend, Fotos kann ich jetzt leider nicht hochstellen, weil das hier im Internetcafe leider nicht geht.

Viel mehr kann ich jetzt eigentlich auch nicht erzaehlen, ausser dass ich so sehr hoffe, dass Mimi, die gerade im Moment in der Warteschleife der Airline haengt, um den Flug erneut umzubuchen, moeglichst bald herkommt. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt. Also bitte alle Daumen druecken, die zur Verfuegung stehen!


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